|
Artikel aus der Nordwest Zeitung
(Oldenburg) vom 31. August 1996
Ein Chip fürs Bankgeheimnis
CeBIT Home: Immer mehr Anbieter drängen ins Internet
Von: Jan Lehmann
Hannover. Dichte, dunkle Wolken ziehen über den Bildschirm. Sie
drehen sich um das Tiefdruckgebiet über der Nordsee und von Köln bis
Bremen bleibt keine Stadt verschont. "Ja, so wird's am Wochenende
bei uns aussehen", meint Martin Heinkel von der Marketing Abteilung
des Deutschen Wetterdienstes (DWD)
voraus und blickt in die
traurigen Gesichter zweier Segler aus Gütersloh. Der DWD ist nur ein
Dienst, der Informationen im Internet vertreibt. Mehr und mehr
Geschäftsleute, Politiker und Behörden erkennen die Vorteile des
Netzes. Wer die CeBIT Home
in Hannover besucht hat, und bislang
nichts vom Internet wissen wollte, wird sich fragen, ob ihm bisher
nicht wichtige Informationen entgangen sind.
Parteien im Internet
So sieht es auch Thomas Dittmann, einer der
beiden Segler, die immer noch fasziniert auf die "Web-Seiten" des
DWD blicken: Ich habe noch keine Internet-Erfahrung, aber dieser
Dienst hat mein Interesse geweckt." Wer sind die Frauen und Männer,
die zur Zeit das "World Wide Web" nutzen? "Ich glaube, daß
die
derzeitigen Benutzer zu einer Bildungselite gehören", sagt Arne
Brand, der den virtuellen Ortsverein der
SPD im Internet betreut.
350 Mitglieder zählt der Diskussionskreis, dem sich - so Brand -
auch CDU Mitglieder und zahlreiche Parteilose angeschlossen haben.
Ein Lieblingsthema im virtuellen Ortsverein ist
Zensur im Internet.
[...]
Hauptsächlich an junge Leute richtet sich auch das Angebot der
Bundeswehr im Internet.
Politische Diskussionen werden auf diesem
"Server" selten geführt. Gefragt seien Informationen über die
Truppe
und Wehrdienstberatung erklärt Oberleutnant Lars Seebach von der
Internet-Redaktion im Bundesverteidigungsministerium. Daneben
bietet die Bundeswehr auch Informationen über die aktuelle
Sicherheitspolitik an.
Was das Internet sonst noch leisten kann, will Christian Behrens,
Prokurist der Raiffeisenbank Oldenburg in Hannover ausloten. Für die
Genossenschaftsbank ist Electronic Banking schon längst
selbstverständlich. Zahlungsverkehr über das Internet gibt es ab
bislang nicht. "Dafür ist das Internet nicht sicher genug", ist
Behrens überzeugt. Christoph von Falck von der Firma ESD hat dazu
eine andere Meinung. Das Unternehmen ESD hat eine Hardware-Lösung
gefunden: Kunden der Sparda-Bank Hamburg bekommen demnächst
einen individuellen Chip, der ihre Daten verschlüsselt. Der Chip wird an
den Druckerport und an die Tastatur geschlossen. Unbekannte könnten
sich somit im Internet nicht für den Zahlungsverkehr bei der Sparda
legitimieren, auch die Daten auf den Computern der Kunden seien
geschützt, verspricht der Computerfachmann selbstsicher.
|