Presseerklärung des Virtuellen Ortsvereins der SPD vom 28.05.2001

T-Online-Flatrates: Es geht doch!

Berlin. Der Virtuelle Ortsverein der SPD (VOV) ist verärgert über die Doppelzüngigkeit der Telekom-Tochter T-Online: Während diese sog. Flatrates im Ausland anbietet, werden derartige Angebote in Deutschland mit fadenscheinigen Begründungen eingestellt. "T-Online macht hier nichts Geringeres, als die Zukunft des Informationsstandortes Deutschland zu gefährden, Deutschland braucht ein breitgefächertes Angebot an Flatrates!", stellt Arne Brand, der Pressesprecher des VOV fest.

Bei der spanischen T-Online-Tochter Ya.Com können spanische Internetnutzer ohne Zeit- und Volumengebühren in den Abendstunden ab 18 Uhr sowie ganztägig an allen Wochenenden und Feiertagen über eine sog. Flatrate (Pauschaltarif) für 4524 Peseten (ca. 53,- DM) im Internet surfen. Die T-Online-Tochter nutzt für diesen Tarif eine Großhandelsflatrate des Telefonkonzerns Telefonica. Dafür zahlt sie pro Monat 2300 Peseten (27 DM) pro Telefonleitung. „Angesichts der immensen Bedeutung, die das Internet für die Kommunikation in unserer Gesellschaft hat, ist die Schaffung einer bezahlbaren Flatrate ein Muss. Hier ist die Politik in der Pflicht, eine Zugangsmöglichkeit für jedermann zu schaffen, um die Grundversorgung mit diesem Medium sicherzustellen, ähnlich wie beim Fernsehen. Für sozial Bedürftige könnte ich mir einen Berechtigungsschein für einige Freistunden im Monat vorstellen“, so der SPD-Bundestagsabgeordnete Rainer Brinkmann.

In Deutschland brachte T-Online durch eine Minutentaktung erst die zahlreichen Konkurrenten im Flatratebereich zu Fall, bevor es die eigenen Flatrate-Angebote einstellte. Die Telekom-Tochter begründete ihr Vorgehen damit, dass durch die Flatrates das Telefonnetz zusammenbrechen würde. In Ungarn bietet die Telekom-Tochter Matav einen Pauschaltarif in den Abendstunden und am Wochenende an: Egal wie lange eine Verbindung dauert, der Nutzer zahlt für Internetverbindungen und Telefongespräche umgerechnet etwa 1,50 DM. "Das laut Telekom 'modernste Telefonnetz der Welt' verkraftet anscheinend nicht so viel wie das aus Ungarn. Vielleicht sollte die Telekom bei den dortigen Technikern etwas Nachhilfe nehmen! Oder aber die Telekom sucht sich neue PR-Berater, die ihnen bessere Scheinargumente für den Flatrateausstieg liefern", kommentiert Brand die Bemühungen der Telekom.

In anderen Ländern wie den USA, Großbritannien und Spanien sind Flatrates unter 50,- DM bereits Internetalltag. Auch in Deutschland ist die Nachfrage groß, wie die scheinbar endlos lange Warteliste für DSL-Flatrates oder die Auslastung der Flatrate bei AOL zeigt. "Der VOV spricht sich dafür aus, diese Nachfrage zu befriedigen", teilt Brand weiter mit.

Das zentrale Problem in Deutschland ist das Monopol der Telekom auf der sog. 'letzten Meile'. Hierdurch ist es vor allen Dingen kleinen Providern verwehrt, wirtschaftliche Flatrates anbieten zu können. Der VOV fordert die Möglichkeit regionaler oder anderer großer Provider genau diese letzte Meile selber zu gestalten.

Ein kostengünstiger Pauschaltarif wäre nicht nur zutiefst sozialdemokratisch, sondern darüber hinaus auch ökonomisch richtig: Hier besteht eine große Nachfrage, die auf Angebotsseite befriedigt wird. "Wir sehen keinen Grund, nicht endlich die Zukunft der Informationsgesellschaft in Deutschland einzuläuten!", so Brand abschließend.