Presseerklärung des Virtuellen Ortsvereins der SPD vom 03.05.2002

Verbote bewirken wenig

Berlin. Nach dem Amoklauf in dem Erfurter Gutenberg-Gymnasium ist die Diskussion um Gewalt in Medien und Computerspielen neu entbrannt. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat wirksame Formen zur Begrenzung von Gewaltprogrammen bis hin zum Verbot von Videospielen gefordert. "Verbote bewirken allerdings wenig", so Arne Brand, Pressesprecher des Virtuellen Ortsverein (VOV), "es kann nicht Aufgabe der Provider sein, Inhalte im Internet zu unterbinden".

Wer die Ursache für den Amoklauf in Gewaltspielen sucht, macht es sich zu einfach. Einem derartigen Zusammenhang wird von der wissenschaftlichen Forschung widersprochen, so dass ein Verbot nicht nur unwirksam wäre, sondern auch die Suche nach den wirklichen Ursachen durch Aktionismus verdrängt. Gewaltvideos und Killerspiele liefern lediglich Modelle zur Entladung von Gewalt. Die Ursachen für den Amoklauf in Erfurt muss man deshalb stärker in anderen sozialen Faktoren und sicher auch im Thüringer Bildungssystem suchen.

Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) hat schon vor überzogenen Erwartungen an gesetzliche Regelungen gewarnt. Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Gewalt verherrlichenden Videos und Computerspielen nur verbieten zu können, ist unrealistisch. Vielmehr sind Eltern und Schule stärker gefordert, darauf zu achten, was Kinder und Jugendliche am Computer tun.

Jugendschutz sollte sich der besonderen Problematik von Computerspielen - der Verwischung von Realität und Virtualität – widmen. Kindern und Jugendlichen muss vermittelt werden, dass sie Inhalte von Computer-Spielen nicht in die Realität umsetzen können. Diese Kompetenz zu schulen ist Aufgabe von Medienpädagogik, es geht um die Vermittlung von Medienkompetenz.

"Das vorgelegte Regierungsprogramm der SPD greift die Vermittlung von Medienkompetenz richtig auf", sagt Petra Tursky-Hartmann, Vorsitzende des VOV. Der Umgang mit der Vielzahl und Vielfalt der Medien muss im Zeitalter der Digitalisierung insbesondere von Eltern und Pädagogen erworben werden. "Die Kids können das oftmals viel besser als ihre Erzieher." Für die Vermittlung von Medienkompetenz braucht es allerdings einen offenen und öffentlichen Diskurs. Wichtig für Eltern ist, sich mit der Medienkompetenz ihrer Kinder auseinander zu setzen und Interesse für ihre Welten zu zeigen. "Wenn man Kindern und Heranwachsenden zeigt, dass man sie ernst nimmt, flüchten sie sich auch nicht in eine virtuelle Welt von Ego-Shootern", so Arne Brand.